Liebenswerte Stadt

Man glaubt es kaum, aber trotz vieler Familien, die mit ihren Kindern aufs Land ziehen, ist der Zuzug in die großen Städte ungebrochen. Man will es sich in schnuckeligen Altbauwohnungen gemütlich machen, vielleicht sogar unter Stuckdecken. Davon gibt es nicht mehr so viele, weil der Krieg die deutschen Großstädte beinahe flächendeckend zerstört hat, aber etliche sind ja wiedererrichtet, restauriert und auch saniert worden. Andere bevorzugen eher Neubauten, oder sie lieben den Schnörkel-losen Luxus einer Hochhauswohnung. Ganz Verwegene träumen von einem Haus auf dem Haus – einem Penthouse. Dachwohnungen mit schöner Aussicht und vielleicht einem Dachgarten sind ja bei Städtern sehr beliebt, aber das Penthouse ist doch noch eine andere Kategorie, weil hier auf dem Dach eines Hauses ein separater Bau bewohnt werden kann. Ganz unten tobt der Innenstadtverkehr und oben sitzt man auf einem Kunstrasen und sonnt sich in der Mittagspause. Wer auf der Suche nach einem solchen Platz ist muss in seiner Stadt schon gezielt suchen. Z.B. unter „Penthouse München“ oder „Penthouse Hamburg“ über die Internet-Suchmaschine. Aber es finden sich eigentlich immer Angebote, zumal auch immer wieder neue Penthouse-Wohnungen gebaut werden. Aber was bewegt die Menschen ausgerechnet mitten in der Stadt zu wohnen? Großstadtbewohner, die gerne inmitten der verstopften Straßen, lauten Verkehrswegen und dem allgegenwärtigen Abgas-Geruch leben und ihr Zuhause nicht in Richtung Land verlassen wollen, wissen natürlich warum. Nicht, dass sie Masochisten wären, aber den Nachteil der etwas größeren Verkehrsdichte nehmen sie, wenn auch häufig genug fluchend, in Kauf, weil es für sie kein besseres Leben gibt, als genau dort, im Zentrum der Stadt. Wer auf dem Land wohnt, hat vielleicht gute Luft, aber keinen Supermarkt vor der Nase. Für jede Packung Milch und für jedes Schulheft der Kinder muss man in den nächstgrößeren Ort fahren, aber nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die gibt es dort kaum, mit einem PKW. Auf dem Land ist man ohne PKW komplett aufgeschmissen. In der Stadt kein Auto zu besitzen kann dagegen ein echter Segen sein. Der öffentliche Nahverkehr ist so gut ausgebaut, dass man innerhalb einer Stunde mindestens 3 bis 8 Verbindungen in jede Richtung zur Verfügung hat. Taxis fahren auch rund um die Uhr und das Fahrrad kann man in der Stadt auch besser nutzen als auf dem Land, wo es meist keine Radwege an den Landstraßen gibt. Allein ein PKW vor der Haustür stehen zu haben, kann den Lebensstandard in der Stadt schon schmälern, denn Versicherung, Steuer, Parkgebühren und natürlich der Preis des Autos machen einen ordentlichen Batzen aus. Wer täglich mit dem Auto weit fahren muss, für den ist „kein Auto“ natürlich keine Alternative, aber für die, die nur ab und zu mal einen PKW benötigen, gibt es das Car-Sharing oder die Auto-Vermietung. Auf dem Lande gibt’s so was nicht. Die meisten Wege in der Stadt lassen sich zu Fuß erledigen, denn in jedem Viertel sind meist alle Arten von Geschäften zu finden und das ist es, was die Großstädter so lieben. Dies bequeme Schlendern durch die Straßen, Leute beim Einkaufen treffen, mit ihnen gleich mal ins nächste Bistro oder Café gehen und dort den Alltag für eine Weile anhalten. Das macht die Stadt so liebenswert.

Andreas


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Geschrieben am Mittwoch, Januar 20th, 2010 und abgelegt unter Haus Garten.

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